Die diesjährigen Preisträger sind Lars Richter (Department Chemie der LMU), ausgezeichnet für die Entwicklung einer neuartigen Einzelmolekül-Mikroskopiemethode, Felix Sieber-Schäfer (Department Pharmazie der LMU), geehrt für KI-gestützte Nanocarrier zum Transport therapeutischer RNA, sowie Svetozar Gavrilovic (Max-Planck-Institut für Biochemie), dessen Forschung sich auf lichtsteuerbare DNA-Strukturen konzentriert.
Der CeNS Nano Innovation Award würdigt jährlich innovative Promotionen mit Anwendungs- und Transferpotenzial im Bereich der Nanowissenschaften. Er richtet sich an Promovierende in Bayern, deren Arbeiten neue Lösungsansätze für aktuelle wissenschaftliche und technologische Herausforderungen eröffnen. Zugleich soll der Preis junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schon in einer frühen Karrierephase ermutigen, das Anwendungspotenzial ihrer Forschung zu erkennen und weiterzuverfolgen.
Visualisierung Biomolekularer Dynamiken auf der Einzel-Molekül-Ebene
Preisträger Lars Richter entwickelte in seiner Forschungsarbeit in der Arbeitsgruppe von Professor Philip Tinnefeld eine Einzelmolekül-Mikroskopiemethode mit. Sie nutzt DNA-Nanotechnologie, um DNA-Stränge senkrecht auf Graphen, einer extrem dünnen Kohlenstoffschicht, anzuordnen. Über die Fluoreszenz eines Farbstoffs lässt sich messen, wie sich DNA oder DNA-Protein-Komplexe dynamisch verändern. So macht die Methode Bewegungen und Strukturänderungen von DNA mit sehr hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung sichtbar.
Beschleunigung des Designs von RNA-Nanoträgern durch künstliche Intelligenz
Felix Sieber-Schäfer arbeitete in seiner Promotion in der Arbeitsgruppe von Professorin Olivia Merkel an datengetriebenen Methoden für die Entwicklung von RNA-Trägersystemen. Dabei verband er maschinelles Lernen, molekulardynamische Simulationen und experimentelle Formulierungsforschung, um geeignete lipid- und polymerbasierte Nanopartikel systematischer zu identifizieren. Ziel war es, RNA-Nanocarrier nicht mehr vor allem durch aufwendiges Ausprobieren, sondern mithilfe von Daten, Simulationen und Experimenten zu entwickeln.
Lichtgesteuerte DNA-Assemblierung für synthetische Zellsysteme
Svetozar Gavrilovic entwarf in seiner Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe von Professorin Petra Schwille eine Plattform, mit der sich DNA-Strukturen durch Licht gezielt auf künstlichen Membranen aufbauen lassen. Dafür werden DNA-Bausteine verwendet, die erst durch UV-Licht an bestimmten Stellen aktiviert werden. So lässt sich steuern, wann und wo die Strukturen wachsen. Dies kann helfen, Vorgänge an Zellmembranen kontrolliert nachzubilden und besser zu verstehen. Langfristig könnten daraus Ansätze für künstliche Zellsysteme oder membranähnliche Materialien entstehen.
Alle drei Preisträger arbeiten in Forschungsgruppen, die dem CeNS-Netzwerk angehören. Der Nano Innovation Award 2026 wird vom CeNS in Kooperation mit den Firmen attocube systems, ibidi, Nanion Technologies und NanoTemper Technologies verliehen. Die vier CeNS-Ausgründungen stellen die Preisgelder in Höhe von 4.000, 3.000 und 2.000 Euro bereit.
Die Preise wurden am 17. Juli 2026 bei der Karriereveranstaltung „CeNS meets Industry“ an der Fakultät für Physik der LMU verliehen.
Über das Center for NanoScience (CeNS) – www.cens.de
Das Center for NanoScience (CeNS) ist eine wissenschaftliche Einrichtung der LMU München, die interdisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der Nanowissenschaften fördert und koordiniert. Dabei werden von CeNS verschiedene Disziplinen wie Physik, Chemie, Biochemie und Pharmazie überspannt. In CeNS kooperieren neben Arbeitsgruppen der LMU auch Gruppen der TU München, des Max-Planck-Instituts für Biochemie und anderer Institutionen im Münchner Raum.
Die ibidi GmbH, Gräfelfing bei München, ist ein führender Anbieter funktioneller zellbasierter Assays sowie von Produkten für die Zellmikroskopie. Die umfangreiche Reihe von Produkten bietet Lösungen für die klassische Zellkultur sowie für komplexe Assays wie z.B. 3D Zellkultur, Angiogenese, Chemotaxis oder Wundheilung. Durch die Produkte von ibidi wird das Verständnis von Entstehung und Behandlung unterschiedlicher Krankheiten erleichtert. Die Kunden von ibidi arbeiten weltweit in Forschungseinrichtungen, in der forschenden Pharmaindustrie und der Biotechnologie. Die Technologie von ibidi wird in zahlreichen BMBF-Projekten gefördert. Der Vertrieb der Produkte erfolgt weltweit.
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