Mehr Widerstandsfähigkeit, mehr Flexibilität – viel mehr zu tun: Unternehmen wollen ihre Lieferketten unabhängiger von Krisen aller Art zu machen. Dabei sind neue Technologien genauso gefragt wie alte Tugenden. Das zeigte der Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft beim dritten TUM Talk der Technischen Universität München am Bildungscampus Heilbronn.

Genug Speiseöl war an sich da – und doch blieben viele Supermarktregale in der CoronaPandemie zeitweise leer. Das Problem: Unternehmen hatten spezifische Produktverpackungen bereits millionenfach auf Vorrat gekauft. So konnten die Produzenten nicht ad hoc den Inhalt anpassen, und etwa von Sonnenblumenöl auf Rapsöl umschwenken. Ein kleines Beispiel für eine große Herausforderung: „Fast jede Lieferkette hat solche versteckten Engstellen“, sagte David Wuttke, Assistant Professor für Supply-Chain-Management am TUM Campus Heilbronn bei der dritten Auflage des Netzwerkformats TUM Talk [am Donnerstagabend, 13. Oktober 2022].

Unter der Überschrift „Resiliente Lieferketten – digital und nachhaltig“ erlebten etwa 130 Gäste einen lebendigen Austausch auf dem Bildungscampus Heilbronn. Denn sorgfältig austarierte Lieferketten, die Lebensader der Wirtschaft, sind an vielen Stellen aus dem Takt geraten. Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten daher intensiv über neue Strategien, um die Widerstandsfähigkeit in Zukunft zu erhöhen.

Unternehmen suchen weltweit nach Lösungen für die Lieferkette

Das Thema sorgt weltweit für Unruhe. „Wir stecken in einer Systemkrise, die nicht deutschlandspezifisch ist, sondern sich global erstreckt“, sagte Professor Thomas F. Hofmann, Präsident der Technischen Universität München (TUM) in seiner Begrüßung. Über 60 Prozent der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe hätten aktuell Probleme, zuverlässig an ihre Vorprodukte zu kommen, ergänzte Professor Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts: „Wir sind in einer Situation, die wir gesamtwirtschaftlich so noch nie hatten.“

Die Reaktionen der Wirtschaft sind vielfältig. Sportfachhändler Intersport etwa musste in der Pandemie zunächst auf eine erhöhte Nachfrage nach Laufschuhen reagieren, dann waren  plötzlich Fußballschuhe gefragt. Ein enger, transparenter Austausch mit den 900 angeschlossenen Händlern und ein neues Logistikzentrum halfen dabei, flexibel auf diese Veränderungen zu reagieren. „Das hat uns die Möglichkeit gegeben, zu atmen“, sagte Katja Burkert, Chief Information Officer bei der in Heilbronn beheimateten Handelsgruppe. Die Digitalisierung erleichtert es vielen Unternehmen, enger die Schritte zu verfolgen, die ihre Produkte nehmen.

Globale Flexibilität und lokale Fähigkeiten helfen durch die Krise

Je klarer zudem die Kommunikation, je eindeutiger die Standards, desto leichter lässt sich reagieren, wenn sich einige Wege in der Weltwirtschaft schließen: „Unsere globale Aufstellung hat geholfen, dass wir zwischen den Standorten jonglieren konnten“, sagte Laura Karbach, Mitglied der Geschäftsleitung von Recaro Aircraft Seating. Neben neuen Technologien sind einige alte Tugenden gefragt: Etwa eine größere Wertschöpfungstiefe, um unabhängiger von Lieferanten zu sein. „Wer Zugriff auf eigene Baustoffe oder eine eigene Logistik hatte, war enorm im Vorteil“, sagt Josef Geiger, langjähriger Geschäftsführer der Geiger Unternehmensgruppe und Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbands.

Die Lieferkette ist für nahezu alle Firmen zum strategischen Thema geworden – auch wenn die Antworten unternehmensspezifisch ausfallen müssen. Die Gespräche auf und neben dem Podium beim TUM Talk zeigten, dass im intensiven Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft großes Potenzial liegt. Supply-Chain-Spezialist Wuttke verglich die Aufgabe für Unternehmen mit dem körpereigenen Abwehrsystem: „Das Immunsystem ist dafür da, auch mit unbekannten Herausforderungen fertig zu werden.“ Gute Ernährung, regelmäßiges Training, hin und wieder vielleicht eine Impfung – so ließen sich dann auch Hürden in der Lieferkette meistern, empfahl er: „Die Resilienz ist das Immunsystem für Unternehmen“.

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