Das Jahr 2022 neigt sich seinem Ende zu, manche sagen Gottseidank, andere fragen sich bang, ob 2023 nicht noch Potential hat, schlechter zu werden. Im Juni schrieb ich an dieser Stelle schon eine lange Liste von Zumutungen herunter, da waren die schlimmsten Nachrichten in Bezug auf Energiepreise und Teuerung noch etliche Wochen entfernt.

Was stellen wir zum Ende des Jahres also fest? Es kann natürlich immer noch schlimmer werden, aber – oh Wunder – wir leben noch. Auch den zahlreichen Kassandrarufen (googeln Sie mal Tankstellensterben) zum Trotz ist die Zahl der deutschen Tankstellen seit 2009 bemerkenswert stabil geblieben. Diese Stabilität verdankt die Tankstelle am Ende einigen Faktoren, die sich auch in schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern:

  • Energieträger, wie auch Betriebs- und Hilfsstoffe in großen Mengen zu lagern oder gar mitzuführen ist nur etwas für hartgesottene Prepper. Mit irgendetwas muss das Fahrzeug aber betrieben werden.
  • Menschen, die ein Fahrzeug lenken, brauchen Pausen, sowohl für sich selbst, als auch für Beifahrer oder Passagiere. Und auch das rollende Material will gepflegt sein, ob von innen (Motorenöl) oder von außen (Autowäsche).
  • Bequemlichkeit ist Trumpf – kann ich viele Dinge auf einen Schlag erledigen, sinkt die Preissensitivität. Und ist das nahezu rund um die Uhr möglich, umso besser.
  • An der Tankstelle weiß die Kundschaft, was sie zu erwarten hat – das Angebot, wie auch die „Bedienung“ ist weitgehend funktionsgleich, egal, welches Werbeschild oben drüber hängt. Diese Prägung funktioniert schon ab dem Kindesalter.

Die Garantenstellung rund um die automobile Gesellschaft verdanken Tankstellen einerseits der Konzentration auf die Kernkompetenzen, andererseits einer über die Jahrzehnte ungebrochenen Wandlungsfähigkeit in Bezug auf die Ausprägung der Angebote an den Kunden. Diese Trümpfe wollen jedoch ausgespielt werden.

Nun steht eine erneute Veränderung des Marktumfelds ins Haus. Die Politik stellt die Weichen für eine massive Ausweitung der Elektromobilität und stellt so die erste Säule des Erfolgskonzepts Tankstelle in Frage – Strom lässt sich nicht schnell in Fahrzeuge pumpen oder in Kanistern davontragen – wo die Ladesäule steht, ist dabei mehr oder weniger egal.

Oder ist das vielleicht gar nicht so? Ist vielmehr eine neuerliche Transformation der Tankstelle im Gange? Werfen wir gemeinsam einen Blick in den Mitte Oktober vom Bundesverkehrsminister vorgestellten „Masterplan Ladeinfrastruktur II“ – haben Sie es mitbekommen?

Bereits in den ersten Absätzen steht dort:

„Mit dem Ziel von einer Million öffentlich und diskriminierungsfrei zugänglicher Ladepunkte im Jahr 2030 soll Deutschland zum globalen Leitmarkt für E-Mobilität werden.“

sowie

„Gegenwärtig sind in Deutschland mehr als 1,6 Millionen E-Pkw zugelassen – Tendenz stark steigend. Damit hat die Elektromobilität die Markteinführungsphase hinter sich gelassen und es beginnt die Phase eines breiten und dynamischen Markthochlaufs.“

Zwar sind noch ca. eine Million dieser 1,6 Millionen E-PKW Hybridfahrzeuge und damit mehr Verbrenner, als E-Mobile. Dennoch haben sich Elektrofahrzeuge unbestreitbar in den Zulassungszahlen etwa auf dem Niveau von Dieselfahrzeugen etabliert und bis 2030 sollen knapp ¼ aller Fahrzeuge rein elektrisch angetrieben sein, mithin ca. 11 Mio. Fahrzeuge.

Was tut nun der Staat, um zur Zielerreichung beizutragen?

Er fördert und fordert – so kündigt der Plan den „Einsatz finanzieller Mittel und steuernder Instrumente durch den Bund…“, wie auch die Beseitigung von „…Hindernisse(n) innerhalb des regulatorischen Umfeldes, z. B. bei Planungs- und Genehmigungsprozessen, (…)“ an.

Gleichzeitig heißt es: „Die Mineralölwirtschaft wird aufgefordert, entsprechend dem Beschluss der Konzertierten Aktion „Zukunft der Mobilität“ vom November 2020 eine Ausrüstung von mindestens 25 % aller Tankstellen mit Schnellladeinfrastruktur (mindestens 150 kW) bis Ende 2022, von mindestens 50 % bis Ende 2024 und mindestens 75 % bis Ende 2026 vorzunehmen.“

Wenn die Branche das ernst nimmt, bedeutet dies in den kommenden zwei Jahren die Ausstattung von ca. 7.000 Tankstellen mit Ladesäulen über 150 kW Ladeleistung! August dieses Jahres waren gerade einmal knapp 700 solcher Schnell-Ladepunkte an Tankstellen in Betrieb! Das ist ja Wahnsinn!

Und Sie werden lachen: Die Branche nimmt es ernst. Die Ausbauprogramme allein der 4 größten Gesellschaften summieren in den kommenden drei Jahren auf über 8.000 zusätzliche Schnell-Ladepunkte.

In den kommenden 36 Monaten wird es sich also zeigen, ob die Wette auf die Zukunft des Tankstellenmarkts unwiderruflich zu Lasten kleinerer Tankstellennetze oder Einzelbetreiber entschieden wird. Denn auch andere Player breiten sich im Ladeparkgeschäft unerbittlich aus, allen voran staatliche Betreiber selber, seien es Stadtwerke, Energiekonzerne oder Kommunen.

Was können Sie nun tun, wenn die Mittel begrenzt sind, ebenso wie der Platz und die Mitarbeiterzahl, die sich um so etwas kümmern kann?

Zuerst einmal: Informieren Sie sich!

Die bft-Akademie hat in diesem Jahr in Kooperation mit FORUM Tankstellen Schulungsveranstaltungen aus der Taufe gehoben, die ihnen Wege aufzeigen, wie Sie auch mit begrenzten Mitteln an diesem Wandel partizipieren können. Diese Schulungen werden auch im kommenden Jahr fortgeführt und schrittweise ergänzt und ausgebaut.

Lassen Sie andere für sich arbeiten!

Sowohl in der Finanzierung, als auch in der Errichtung und Betreibung kommen immer mehr interessante Modelle auf den Markt, die Ihnen Stress ersparen, aber Einnahmen und ein attraktives Kundenangebot sichern können.

Kooperieren Sie!

Vielerorts sind lokale Netzwerke entstanden, die sich nicht nur auf die umweltfreundliche Gewinnung von Energie, sondern auch auf die Verteilung und Nutzung konzentrieren. Schauen Sie doch mal dort vorbei. Anknüpfungspunkte lassen sich leichter finden, als gedacht.

Seien Sie mutig!

Was immer das Jahr 2023 und die Folgejahre bringen mögen, unternehmerische Entscheidungen werden zwingend nötig sein. Die Lage in der Welt wird nicht einfacher werden. Effiziente Energienutzung und -verteilung wird an Wichtigkeit gewinnen. Seien Sie ein Teil davon, anstatt nur zuzuschauen und sinkende Margen zu beklagen.

Wir begleiten Sie auf diesem Weg, mit Rat und Tat, sowie Erklärung und Einordnung von Vorschriften, Technik und neuen Entwicklungen in unserer unverzichtbaren Branche.

Die Lage könnte schlechter sein…

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Forum Tankstellen Beratung GmbH
Alter Teichweg 23A
22081 Hamburg
Telefon: +49 (40) 636462-48
http://www.forum-tankstellen.de

Ansprechpartner:
Simon Pfennig
E-Mail: simon.pfennig@forum-ts.de
Für die oben stehende Story ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel