Die Leef Blattwerk GmbH sammelt derzeit über die Crowdfunding-Plattform econeers Wachstumskapital für ihr umweltfreundliches und klimaneutrales Geschäftsmodell mit Palmblatt-Produkten ein. Das Nachrangdarlehen bietet eine Rendite von 8,50% p.a. und läuft bis Ende 2028. Da das Fundingziel von 500.000 Euro in der Early-Bird-Phase bereits erreicht wurde, hat das Unternehmen die Zeichnungssumme noch einmal um 250.000 Euro erhöht. Damit aber nicht genug, denn wie CFO Jens Christoph im Anleihen Finder-Interview verrät, soll das nächste Instrument der Wachstumsfinanzierung eine Anleihe werden. 

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Christoph, stellen Sie uns LEEF doch kurz vor. Was ist das Geschäftsmodell des Unternehmens? Welche Idee steckt dahinter?

Jens Christoph:LEEF ist der Pionier in der Entwicklung, der Verarbeitung und dem Vertrieb von Produkten aus Palmblatt. Aktuell nutzt LEEF dafür die Blätter der Arekapalme, die als Abfallprodukte in der Betelnussproduktion anfallen und normalerweise verbrannt werden.

Wir verstehen uns selbst als Materialspezialist. Auch wenn wir aktuell breit im Food-Segment aufgestellt sind, machen wir dennoch auch Produkte für die Beauty- und Kosmetik-Branche und perspektivisch für viele weitere Branchen. Von Komponenten, wie zum Bespiel Seifenkernen bis hin zu fertigen Produkten, wie zum Bespiel Burger-Verpackungen ist unser Spektrum jetzt schon breit.

Anleihen Finder: Seit wann gibt es das Unternehmen, wie viele Mitarbeiter haben Sie und wo stellen Sie Ihre Produkte her?

Jens Christoph: LEEF ist 2014 von meinem Kollegen Claudio Vietta gegründet worden. In den ersten Jahren musste ein geeigneter Produktionspartner gefunden und aufgebaut werden. Nennenswerte Umsätze wurden daher erst 2018 realisiert. Aktuell hat LEEF zwölf erstklassige Mitarbeiter, die alle ihre Erfahrungen und Karrieren in herkömmlichen Industrien gemacht haben. Der Entscheidung unserer Mitarbeiter für LEEF wohnt stets auch eine starke intrinsische Motivation inne, dies aber auf hohem professionellem Niveau. Unsere gesamte Produktion findet aktuell in Südindien statt, dort beschäftigt unser Produktionspartner rund 600 Mitarbeiter, in der überwiegenden Mehrzahl Frauen.

Anleihen Finder: Was ist das Besondere an Palmblättern? Welche Patente haben Sie sich diesbezüglich gesichert?

Jens Christoph: Wir haben ein Patent für die Versiegelung von Palmblatt mit Folien und mehrere Patente für die Deckel-Lösungen, hier geht es um spezielle Falt- und Verschlusstechniken. Typische Umgehungsverfahren haben wir gerade in einem erweiterten Patentierungsprozess. Unsere Patente lassen wir in der EU, in den USA sowie in Indien eintragen.

„Haben ein Patent für die Versiegelung von Palmblatt mit Folien und mehrere Patente für Deckel-Lösungen“

Die Blätter werden gewaschen, in Form gepresst, geschnitten und verpackt. Es erfolgt keinerlei weitere Bearbeitung, es ist grundsätzlich keine Beschichtung erforderlich und der gesamte Prozess ist frei von chemischer Bearbeitung. Die aktuell verwendeten Blätter sind schnittfest, hochisolierend, ofentauglich, mikrowellen- und wasserfest, stabil, kompostierbar und bildschön. Das macht es besonders für Anwendungen mit Lebensmitteln attraktiv, aber die Anwendungen gehen weit darüber hinaus.

Mit diesem Grundmaterial verarbeitet LEEF das einzige nativ klimaneutrale Material weltweit. Die Tatsache, dass das Material beim Wuchs CO2 gebunden hat und nicht abstrahiert werden muss, schlägt sich beim CO2-Fußabdruck natürlich nieder. Erneuerbare Energien bei der Produktion und eine ansonsten klimaschonende Unternehmenspolitik machen uns die Kompensation sehr einfach und preiswert. Nicht umsonst haben wir nicht nur unsere Company sondern auch unsere Produkte als klimaneutral zertifizieren lassen. Ein Kunde braucht sich um die immer teurer werdende Kompensation nicht mehr zu kümmern. Derzeit produziert LEEF Geschirr, Food-Verpackungen für Take-Away und Delivery-Dienste sowie Produkte, die mit einer Folie versiegelt werden können. Verschiedene Deckellösungen aus 100 % Ocean Plastic oder Recyclingpapier sind je nach Kundenwunsch modular verfügbar. Des Weiteren baut LEEF derzeit im Zuge einer Diversifizierungsstrategie weitere Produktkategorien im Non-Food-Segment auf.  

Anleihen Finder: Wie groß ist das LEEF-Produktportfolio in Gänze und wo sind die Produkte erhältlich? Wen sprechen Sie in erster Linie damit an und wie viele Kunden haben Sie?

Jens Christoph: Aktuell umfasst unser Portfolio knapp 130 Produkte. Der Vertrieb ist ausschließlich B2B. Wir setzen national und international auf etablierte, bestehende Vertriebsstrukturen für die Gastronomie, sind aber auch in Verhandlung mit Einzelabnehmern, die mit unserer MOQ von einem Schiffscontainer umgehen können. Darüber hinaus sind ausgewählte Produkte im Retail erhältlich (u.a. in der Bio Company, Metro, TEDI, vieles davon white label). Der Kreis wächst gerade, wir haben aktuell rund 20 Kunden, sprechen jedoch besonders aufgrund der neuen Take-Away- und Delivery-Linien mit weit über 20 großen, teils international agierenden Leads, mit denen wir gerade die Geschäftsbeziehungen aufbauen. Dieser länger dauernde Prozess verläuft plangemäß.

Anleihen Finder: Wie groß ist der Absatzmarkt für Ihre Produkte? Wer sind Ihre größten Mitbewerber?

Jens Christoph: Da wir nicht nur im Bereich des Food-Packagings unterwegs sind, sondern auch viele weitere Produkte für den Non-Food Sektor vorbereiten ist die Marktgröße kaum bezifferbar. Alleine der Verpackungsmarkt hat ein Volumen von etwa 1 Billion US-Dollar, andere Märkte und Marktsegmente kommen noch hinzu.

„LEEF ist der einzige Produktentwickler in diesem Marktsegment“

Bei der Betrachtung des Wettbewerbs beim Palmblatt trifft man lediglich auf Händler, die verschiedene Produkte in Indien einkaufen und international verkaufen. LEEF ist jedoch der einzige Produktentwickler in diesem Marktsegment. Außerdem findet der Wettbewerb lediglich im Food-Segment statt – schon bei Take-Away-Verpackungen und Lösungen für Delivery-Dienste ist LEEF alleiniger Anbieter – dasselbe gilt für alle non-Food Bereiche. Das liegt an unseren Patenten, aber auch an der Fertigungspräzision, die erforderlich ist, um Palmblatt mit Produkten ohne Toleranzen zu kombinieren, zum Beispiel mit Papier. Ansonsten findet Wettbewerb eher mit anderen Materialien statt, die aufgrund ihrer vielen verschiedenen Eigenschaften nur schwer vergleichbar sind.

Anleihen Finder: Welche Umsätze generieren Sie mit Ihrer Geschäftstätigkeit bislang? Wie ist die aktuelle Geschäftsentwicklung/Nachfrage?

Jens Christoph: Im vergangenen Jahr konnten wir um 64% auf 1,3 Mio. Euro Umsatz wachsen, trotz der Corona-Pandemie und trotz massiver Auswirkungen der zwischenzeitlich beendeten Logistikkrise. Aktuell bauen wir Produktionskapazitäten in Indien auf, um mit der zunehmenden Nachfrage Schritt halten zu können. Bei dieser Geschwindigkeit die Balance zu halten, ist das große Geheimnis.

Anleihen Finder:  Mit Ihrer Crowdfunding-Kampagne sammeln Sie nun frisches Kapital ein. Wofür sollen die Mittel konkret verwendet werden und wie können sich Investoren daran beteiligen?

Jens Christoph: Die aktuelle Kampagne ist im Wesentlichen für Warenvorfinanzierungen, die aufgrund der steigenden Umsätze erforderlich werden. Außerdem verstärken wir das Team an den neuralgischen Punkten. Investoren, die aufgrund ihrer eigenen Aktivitäten LEEF in neue Absatzmärkte einführt, sind besonders willkommen. Grundsätzlich achten wir auch bei künftigen Kapitalrunden auf einen Kapitalmix, der eine gute Balance zwischen Eigen- und Fremdkapital generiert.

Anleihen Finder: Inwiefern sind der Kapitalmarkt und alternative Finanzierungsmethoden generell für Sie als Mittelständler interessant? In welcher Unternehmens-Entwicklungsphase befinden Sie sich aktuell und wie soll das weitere Wachstum finanziert werden?

„Das nächste Produkt für die Wachstumsfinanzierung wird eine Anleihe werden“

Jens Christoph: Wir sind in einer enormen Wachstumsphase und weltweit der einzige Spezialist auf unserem Gebiet. Wir haben Strukturen und die passenden Mitarbeiter aufgebaut und brauchen in den kommenden zwei Jahren Liquidität im mittleren einstelligen Millionenbereich, um das Wachstum zu finanzieren. Hierfür sind für uns die alternativen Finanzierungsmethoden das Mittel der Wahl, um insbesondere die Gesellschafter, die in den risikoreichen Jahren die Gesellschaft finanziell gestärkt haben, nicht über Gebühr zu verwässern. Das nächste Produkt für die Wachstumsfinanzierung wird eine Anleihe werden. Der alternative Finanzierungsmarkt ist deutlich offener für nachhaltige Geschäftsmodelle als klassische Finanzierungsinstrumente. Klassische Instrumente funktionieren oft nur bei Copy Cats und bei hochskalierbaren Digitalkonzepten. Deutschland hat hier noch enormen Nachholbedarf, wenn man die Finanzierungsmöglichkeiten in anderen Regionen vergleicht. Ein starker alternativer Finanzierungsmarkt kann hier große Fortschritte bringen.

Anleihen Finder: Welche Ziele sollen sowohl operativ als auch finanziell in den kommenden Monaten/Jahren erreicht werden? Haben Sie weitere Produkte und Absatzmärkte im Visier?

Jens Christoph: Zu Beginn des nächsten Jahres wollen wir operativ den Break Even erreichen, das ist bei uns im Kern eine Frage des Absatzvolumens und demzufolge auch eine Frage der Produktionskapazitäten.

„Wollen zu Beginn des nächsten Jahres operativ den Break Even erreichen“

Mit dem Ausbau der Fertigungskapazitäten in Indien werden die Prozesse noch einmal merklich effizienter werden, so dass wir unsere Margen verbessern. Darüber hinaus werden wir unsere Entwicklungszeiten für Produkte verkürzen, indem wir sowohl in Indien als auch in Deutschland bessere Projektierungsstrukturen etablieren. Wir sind zwar bereits heute schon sehr schnell, aber es schlummert noch einiges an Potenzial. Eine besonders kurze „Time to Market“ mit fertigen Produkten, ohne sich im Bereich von Prototypen zu bewegen, wird uns weitere Potenziale eröffnen.

Ansonsten werden wir unsere internationale Präsenz erweitern, denn der Bedarf ist global, nicht regional.

Anleihen Finder: Herr Christoph, besten Dank für die Antworten.

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