Den Auftakt bildete Mitte Februar eine Podiumsdiskussion im neuen Gravity Building der Campus Founders auf dem Bildungscampus. CEO Oliver Hanisch betonte die Mission der Start-up-Inkubatoren: „Wir wollen aus Studierenden Gründer machen und aus Gründern Entscheider.“ Mit dabei als Partner und Gastgeber war der TUM Campus Heilbronn. Moderator des Abends war Chunyang Chen, Professor für Software Engineering & AI am Campus. Mit seinen Begrüßungsworten stimmte Chen die Gäste auf die bevorstehende Podiumsdiskussion zum Thema „Next-Gen Computing for Advanced Manufacturing (4.0/5.0)” ein: „Es gab etwas, das mich vor drei Jahren dazu bewogen hat, von Australien nach Heilbronn zu wechseln. Das waren die Möglichkeiten.“
Vertrauen schaffen und sinnvoll investieren
Zunächst versuchte Dr. Christian Tutschku, Teamleiter Quantencomputing bei Fraunhofer IAO, die fast unlösbare Frage zu beantworten, was Quanten sind. Seiner Meinung nach können sie alles gleichzeitig sein. Am Ende seien sie dennoch ein Werkzeug und nichts anderes. Bevor die Technologie jedoch so richtig durchstarten kann, müssen noch Fragen der Verlässlichkeit und Sicherheit geklärt werden. Denn nichts geht über Vertrauen in die Quanten-Technologie – eine Black Box ist keine Option.
Enrique Solano, der CEO von Kipu Quantum, kündigt für die kommende Woche den großen Durchbruch im Bereich Quantum Computing an. Er ist vom Fach: Als Forscher hat er schon über 500 Paper veröffentlicht. Den Wechsel von der akademischen in die Geschäftswelt beschreibt er zunächst als frustrierend. Er ist sich sicher, dass die Menschen irgendwann Quantencomputer verwenden werden, ohne es zu merken. Man werde also keinen Quantencomputer zu Hause benötigen. Momentan fließe zu viel Geld in Spekulationsblasen, was echten Fortschritt verhindere.
Den Mittelstand mitnehmen
Auf die Frage von Moderator Chen, wie Forscher die Einführung der neuesten Computertechnologie in die Praxis vorantreiben können, lieferte Dr. Alena Otto, Professorin für Operation & Technology am TUM Campus Heilbronn, Lösungsansätze: „Ein Teil des Anpassungsprozesses besteht darin, die Nutzer zu überzeugen, denn diese werden sich erst dann darauf einlassen, wenn sie deren Vorteile erkennen und sie als benutzerfreundlich empfinden.“ Allerdings könne das nicht allein von Forschenden erreicht werden. „Wir müssen den Zugang zu Computern im Allgemeinen demokratisieren, einschließlich Technologien der nächsten Generation wie Quantencomputern, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen“, so Otto.
Die Fortschritte im Bereich Hardware und Algorithmen bringen laut Otto bereits heute viele Vorteile: Dazu zählen kürzere Produktionszeiten, schnellere Forschungs- und Entwicklungszyklen sowie die Verwendung recycelter Materialien auf profitable und nachhaltige Weise. Nicht zuletzt werden die Gesundheitsrisiken für Mitarbeiter an manuellen, sich stark wiederholenden Arbeitsplätzen reduziert. Für die Quantentechnologie sieht die Professorin konkrete Anwendungsfelder: „Eine verbesserte Simulation und ein besseres Verständnis molekularer Wechselwirkungen können die Forschungs- und Entwicklungszyklen bei neuer Medikamente und Impfstoffe in den kommenden Jahren erheblich verkürzen. Ebenso werden erhebliche Fortschritte in der Batterieentwicklung und Materialwissenschaft erwartet, beispielsweise bei neuartigen leitfähigen Materialien.“
Martin May, Director Technology & Innovation Management bei Schunk, stellt als Stimme der regionalen Industrie die Frage, wann wir von der Entwicklung zur Lösung kommen und mit welchem Werkzeug das gelingt. May ist überzeugt, dass effektive Antworten nur durch die richtigen Fragen erzielt werden können. Schunk hat sich zum Ziel gesetzt, die Mitarbeiter früh einzubinden und sie zu befähigen, die Innovationen auch zu nutzen. Er sieht in Simulationen ebenfalls ein geeignetes Feld für Quanten, vorausgesetzt, die entsprechenden Talente können rekrutiert werden.
Auf Herz und Nieren geprüft
Dieses Ziel hatten auch die Start-ups aus ganz Europa, die am zweiten CDL-Tag von erfahrenen Mentoren beraten wurden. Sieerhielten Unterstützung sowohl bei der Zieldefinition als auch bei möglichen Herausforderungen auf dem Weg dorthin. In Einzel- und Gruppengesprächen wurden die Ideen der jungen Gründerinnen und Gründer auf Herz und Nieren geprüft. Die Ideen im Bereich Quanten bleiben zwar noch exklusiv, doch die Experten gaben bereits wichtige Tipps. Visionen, Storytelling und ein langfristiger Businessplan seien für den Erfolg unabdingbar. Von den lebhaften Diskussionen nahmen die teilnehmenden Studierenden des TUM Campus Heilbronn viel mit.
Einer der Gründer, der sich den Mentoren stellte, ist Daniel Brunner vom französischen Start-up „Lightspring“. Aufgewachsen in Oedheim bei Heilbronn ist die Veranstaltung für ihn eine Rückkehr in die Heimat, von der er profitiert: „Ich bin zum ersten Mal persönlich bei CDL dabei und meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die Einzelsessions haben mir geholfen, den Knackpunkt für unser Start-up herauszufiltern.“ Mit seinen französischen Co-Foundern entwickelt er ein Produkt im Bereich der Photonik. Jetzt ist die Richtung klarer: „In den nächsten Wochen legen wir den Fokus auf das Founding.“ Beim nächsten CDL in einem Jahr wird sich zeigen, welche der Teams zu einer Erfolgsgeschichte werden – hoffentlich alle.
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