Metals Focus prognostiziert 5.330 USD Goldpreis und Spitzen nahe 6.000 USD
Matthew Piggott, Director of Gold and Silver bei Metals Focus, bewertet die jüngsten Kursrücksetzer beim Gold nicht als Beginn eines Bärenmarktes, sondern als notwendige Marktbereinigung. Zwar konkurriert das zinslose Edelmetall im aktuellen Hochzinsumfeld verschärft mit festverzinslichen Anleihen, Aktien und Kryptowährungen, doch die tragenden Pfeiler des Bullenmarktes bleiben wirksam. Für 2027 rechnet Metals Focus mit einem durchschnittlichen Preisniveau von 5.330 US-Dollar je Unze – ein Zuwachs von 16 Prozent gegenüber der Prognose für 2026 von 4.600 US-Dollar. Im vierten Quartal 2027 soll der Durchschnitt auf 5.600 US-Dollar klettern, wobei Spitzenwerte von bis zu 6.000 US-Dollar erreichbar bleiben.
Getragen wird diese Zuversicht von institutionellen Adressen, die Korrekturen in Richtung der Marke von 4.000 US-Dollar regelmäßig für Zukäufe nutzen. Zudem dürften die weltweiten Notenbanken auch 2027 als verlässliche Nettokäufer auftreten, selbst wenn sie das außergewöhnliche Rekordniveau der Jahre 2022 bis 2024 nicht mehr ganz erreichen. Als übergeordnete Triebfedern für eine fortdauernde Diversifizierung weg von US-Dollar-Anlagen verweist Metals Focus auf die strukturellen Schieflagen der US-Finanzpolitik: Ausufernde Staatsschulden, hohe Haushaltsdefizite, wachsende Zinslasten des Staates und wirtschaftspolitische Unsicherheiten mindern das Vertrauen in traditionelle Währungsreserven.
Kurzfristig dämpfen vor allem die Nachbeben des Nahostkonflikts das Aufwärtsmomentum. Teure Energie schürt den Teuerungsdruck, stützt den US-Dollar und nährt Spekulationen auf eine anhaltend restriktive Zinspolitik der Federal Reserve. Ein dauerhafter Ausbruch setzt daher eine Beruhigung an den Ölmärkten voraus. Zwar könnten diplomatische Teilerfolge die Marktstimmung aufhellen, doch preisen Investoren politische Zusagen zunehmend skeptisch ein, zumal nach den US-Zwischenwahlen das Risiko erneuter geopolitischer Spannungen besteht. Einen langwierigen Zinserhöhungszyklus der Fed schließt Metals Focus dennoch aus, da überzogene Straffungen die Gesamtwirtschaft abwürgen und damit die Absicherungsfunktion von Gold nur weiter stärken würden. Den eigentlichen Wiederanstieg erwarten die Analysten nun im vierten Quartal 2026, flankiert von der einsetzenden saisonalen Schmuck- und Festtagsnachfrage aus China und Indien.
Silber über 90 Dollar: ETF-Zuflüsse müssen industriellen Nachfragerückgang abfedern
Für den Silbermarkt kalkuliert Metals Focus im Gesamtjahr 2027 mit einem durchschnittlichen Preis von 84,40 US-Dollar je Unze (nach 72,60 US-Dollar im Jahr 2026) sowie Notierungen von über 90 US-Dollar im vierten Quartal. Bemerkenswert ist dieser Optimismus vor allem deshalb, weil sich die physische Angebots-Nachfrage-Bilanz spürbar entspannt: Nach einem Angebotsdefizit von 35,4 Millionen Unzen im Jahr 2026 prognostiziert das Analysehaus für 2027 einen rechnerischen Marktüberschuss von 37,3 Millionen Unzen.
Verantwortlich für diesen Umschwung ist in erster Linie die Solarindustrie. Jahrelange technische Einsparungen beim Silberverbrauch pro Photovoltaikzelle zeigen nun vollumfänglich Wirkung: Die materialbezogene Effizienzsteigerung übertrifft mittlerweile den Zubau an weltweiter Solarkapazität. In der Konsequenz sinkt die globale industrielle Silbernachfrage von 640,2 Millionen Unzen im Jahr 2026 auf 618,2 Millionen Unzen im Folgejahr, da der wachsende Bedarf aus Rechenzentren und der Elektromobilität diese Lücke nicht vollständig schließen kann.
Um Notierungen von über 90 US-Dollar zu erreichen, muss daher die Investmentnachfrage einspringen. Erst spürbare Zuflüsse in physisch hinterlegte Silber-ETFs können freie Marktbestände binden und das verfügbare Angebot wirksam verknappen. Eine Wiederholung des spekulativen Engpasses, der Silber einst über 120 US-Dollar trieb, hält Piggott zwar für unwahrscheinlich, doch gekoppelt an die Dynamik des Goldmarktes und dessen makroökonomische Treiber besitzt auch Silber das Potenzial für eine kräftige Neubewertung.
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