Welche Anteile am Wasserverbrauch sich decken lassen
Der größte Einzeleffekt entsteht bei der Toilettenspülung. In einem der Häuser an der Preußenstraße wird Grauwasser aus der Dusche gefiltert, desinfiziert und zu Betriebswasser aufbereitet. Nach Angaben des Fraunhofer ISI ersetzt dieses Wasser 80 bis 90 Prozent der Frischwassermenge, die sonst für die Spülung nötig wäre.
Im Außenbereich läuft die zweite Verwertung. Rund 6.400 Quadratmeter Grünfläche können laut dem Bericht mit dem Wasser aus den Zisternen bewässert werden, die bei Starkregen zugleich als Puffer dienen.
Wo Pflanzen die Reinigung übernehmen
Zwischen den Gebäuden liegt ein bepflanzter Bodenfilter, in der Anlage als Allee angelegt. Überschüssiges Grau- und Regenwasser wird dort gesammelt und unterirdisch gefiltert, bevor es in ein Oberflächengewässer abgeleitet oder zur Bewässerung genutzt wird. Messungen von Wasserproben am Austrittspunkt zeigen dem Bericht zufolge, dass die Anlage Schad- und Nährstoffe zuverlässig aus dem Zulauf entfernt.
Das Prinzip, Pflanzen und ihre Wurzelzone als Reinigungsstufe einzusetzen, ist aus der Hydrokultur bekannt. Eine kleinmaßstäbliche Anwendung beschreibt die Darstellung von Pflanzenfiltern für Aquarien, bei der Wurzeln Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen.
- Blauer Verwertungsweg: Regen- und Grauwasser werden getrennt gefasst und zu Betriebswasser aufbereitet.
- Grüner Verwertungsweg: bepflanzte Bodenfilter reinigen den Überschuss vor der Ableitung.
- Wärmepfad: Wärme aus dem Abwasser geht in Trinkwasservorwärmung und Heizung.
- Puffer: Zisternen nehmen Spitzen aus Starkregenereignissen auf.
Was die Wärme aus dem Duschwasser beiträgt
Die Grauwassernutzung endet nicht beim Wasser selbst. Duschwasser verlässt das Haus mit einer Temperatur, die sich weiter nutzen lässt. In einem zweiten Gebäude des Quartiers wird das Grauwasser mit etwa 25 bis 30 Grad Celsius gesammelt und einer Wärmepumpe zugeführt. Diese Wärmepumpe deckt nach Angaben des Fraunhofer ISI derzeit rund 6 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs im Gebäude.
Bei optimierter Betriebsweise und Ausweitung auf alle Gebäude des Quartiers könnte der Primärenergiebedarf für die Warmwasserbereitung laut dem Bericht um 20 bis 50 Prozent sinken. Der Wert ist eine Modellrechnung, kein gemessener Betriebswert.
Was die Technik über den Lebenszyklus kostet
Eine dynamische Kostenvergleichsrechnung ordnet die Wirtschaftlichkeit ein. Über Lebenszyklen von 60 bis 120 Jahren sind die bepflanzten Filteranlagen dem Bericht zufolge mindestens kostenneutral und häufig günstiger als eine konventionelle Trennkanalisation.
„Die Stärke des Konzepts liegt in der intelligenten Verknüpfung mehrerer Technologien: Wasseraufbereitung, Betriebswasserversorgung, Wärmerückgewinnung und die Gestaltung eines grünen Umfelds wirken gemeinsam“, sagt Thomas Hillenbrand, Leiter des Geschäftsfelds Wasserwirtschaft am Fraunhofer ISI.
„Für den Pflanzenbau ist an diesen Zahlen vor allem eine Größe interessant: Wasser, das im Kreis geführt wird, verlässt das Grundstück nicht mehr. Wer im September 2026 über Bewässerung nachdenkt, sollte die Herkunft des Wassers mitplanen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
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