Im vergangenen Jahr hatten Anleger in Schwellenländeranleihen eine volatile Zeit zu überstehen, wenngleich die Anlageklasse am Ende einmal mehr ihre Widerstandsfähigkeit bewies und alle Segmente im positiven Bereich abschlossen. Das neue Jahr wird deutlich besser, ist Denise Simon, Co-Head of Emerging Market Debt bei Lazard Asset Management, überzeugt: „Ein günstiges makroökonomisches Umfeld, solide Fundamentaldaten und attraktive Bewertungen – all das spricht für eine anhaltende Rallye.“

Die Top-Down-Treiber der Performance von Schwellenländeranleihen erachtet Denise Simon für 2021 als sehr vielversprechend. Nachdem bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres eine V-förmige Erholung eingesetzt hatte, dürfte sich der positive Trend aus Sicht der Expertin fortsetzen. Das globale Wachstum könne den höchsten Stand seit Jahren erreichen, angeführt von den Schwellenländern. Der Einsatz mehrerer wirksamer Impfstoffe dürfte zu einer Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität führen – wenn auch ungleich schnell rund um den Globus. „Die Schwellenländer, die anfangs ohnehin weniger stark schrumpften als die Industrieländer, erholen sich nun schneller, zeigen Wirtschaftsindikatoren“, führt Denise Simon aus. So seien die Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes in Ländern wie China, Indien und Brasilien auf Mehrjahreshochs.


Staatsbilanzen stabilisieren sich 

Aus der Bottom-up-Perspektive haben sich die Fundamentaldaten der Schwellenländer durch die besseren Wachstumserwartungen stabilisiert, so die Portfoliomanagerin. Zwar seien die Verschuldungsniveaus im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt 2020 gestiegen, aber der Zugang zu günstigem Kapital habe dazu beigetragen, die Grundlage für einen starken Wachstumsimpuls in 2021 zu schaffen. „Stärkere Länder und Unternehmen nutzten die Gelegenheit, indem sie Anleihen zu niedrigen Zinssätzen emittierten, um ihre zukünftigen Finanzierungsverpflichtungen deutlich zu reduzieren“, erläutert die Anleihenexpertin. Schwache Credits seien durch Notkreditprogramme des Internationalen Währungsfonds unterstützt und Zinszahlungen für die ärmsten Länder ausgesetzt worden. So hätten Länder mit sehr schwachen Bilanzen entweder bereits ihre Anleihen restrukturiert (zum Beispiel Ecuador und Argentinien) oder die Titel seien ausgefallen (darunter Libanon und Sambia). „Mit wenigen Ausnahmen sehen wir daher kein wesentliches Risiko für staatliche Bonitätsvorfälle im Jahr 2021“, so Simon. 

Auch wenn die Staatshaushalte in einigen Ländern angespannt seien, befänden sich die Zentralbanken der Schwellenländer in der komfortablen Lage, ihre lockere Geldpolitik vorerst beibehalten zu können. Hintergrund sei zum einen, dass die Fed Zinsanhebungen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt habe, und zum anderen die Inflation, die in einer Reihe von Ländern nahe der Allzeittiefs liege. Weitere unterstützende Makrofaktoren für die Schwellenländer sind laut Simon starke Rohstoffpreise, unter anderem am Ölmarkt, sowie verringerte geopolitische Risiken, da die neue US-Administration unter Biden von einer protektionistischen Politik abrücken dürfte. 

Potenzial für High Yield-Anleihen und Anleihen in Lokalwährungen

„Insbesondere sehen wir Potenzial für hochverzinsliche Staatsanleihen und Lokalwährungsanleihen“, sagt Denise Simon und erläutert: „Die Spreads von hochverzinslichen Staatsanleihen liegen mehr als 600 Basispunkte über US-Treasuries, was im historischen Vergleich sehr hoch ist.“ Die Spreads von Hochzinsanleihen lägen etwa 450 Basispunkte über denen von Staatsanleihen mit Investment Grade-Rating und damit immer noch über dem Niveau während der globalen Finanzkrise. „Wir sehen Spielraum für eine Einengung der High Yield-Spreads um etwa 50 bis 100 Basispunkte gegenüber dem aktuellen Niveau“, so die Anleihenexpertin. „Im Gegensatz dazu sehen wir wenig Potenzial im Investment Grade-Bereich, wo die Spreads mit rund 150 Basispunkten wieder auf dem Niveau von Anfang 2020 liegen.“ 

Denise Simon erwartet zudem, dass sich Anleihen in lokaler Währung in den kommenden Quartalen erholen werden, wobei auch hier Hochzinsanleihen besser abschneiden dürften als Anleihen aus dem Investment Grade-Bereich. „Wir glauben, dass endlich die Voraussetzungen für eine nachhaltige relative Outperformance von Lokalwährungsanleihen gegeben sind. Die fehlende Komponente für eine anhaltende Rallye war das Wachstum“, erläutert die Expertin. Auch die technischen Daten bleiben positiv, da die Suche nach Rendite weiterhin Anlegerströme in Schwellenländeranleihen ziehen dürfte. 

Impfstoffwirksamkeit grundlegend für positives Basisszenario

„Nichtsdestotrotz handeln wir auch 2021 mit einer gewissen Vorsicht, da weiterhin Risiken bestehen. Obwohl wir die Inflation zu diesem Zeitpunkt nicht als große Bedrohung ansehen, bestehen Risiken durch steigende Treasury-Renditen“, schränkt Denise Simon ein. Trotz der Rallye bei Risikoassets preisen die Märkte parallel eine gewisse Sicherheitsprämie bei US-Treasury-Renditen mittlerer und langer Laufzeit ein, welche nahe ihrer Rekordtiefs liegen, wie der Blick auf die Renditekurve zeigt. „Wir haben die Duration verkürzt, um uns vor einem potenziellen Anstieg der US-Treasury-Renditen zu schützen“, so die Portfoliomanagerin. Wesentlich für das angenommene Basisszenario eines starken globalen Wachstumsanstiegs sei, dass sich die COVID-19-Impfstoffe als erfolgreich erweisen. Ein potenzielles Risiko für das erwartete Wachstumsszenario der Schwellenländer wäre eine vorzeitige Verschärfung der globalen fiskalpolitischen Rahmenbedingungen wie im Jahr 2018. 

„Insgesamt ist es wahrscheinlich, dass Anleger in Schwellenländeranleihen nach einer schwierigen Zeit im Jahr 2021 Positives zu erwarten haben“, fasst Denise Simon zusammen. „Top-down-Faktoren, Bottom-up-Fundamentaldaten und Bewertungen stehen günstig und sprechen für starke Renditen.“

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