Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Das gilt nicht nur für große Konzerne, sondern auch für kleinere und mittelgroße Unternehmen sowie für Handwerksbetriebe. Geht es um die Unternehmensfinanzierung – zum Beispiel bei der Kreditvergabe oder der Kalkulation der Finanzierungskosten – spielt die Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien künftig eine immer größere Rolle.

Im Rahmen einer Kooperation der Heidenheimer Volksbank und der IHK Ostwürttemberg erklärten drei Referenten aus der Praxis am 23. Oktober 2023 in den Räumen der IHK den über 70 Teilnehmenden die zukünftige Bedeutung und die aktuellen Vorgaben einer nachhaltigen Unternehmensfinanzierung und gaben zugleich wertvolle Tipps und Ratschläge zu lohnenden  Förderprogrammen im hin und wieder etwas undurchdringlich erscheinenden Dschungel der deutschen Förderlandschaft.

Jürgen Edel, seit dem 1. Oktober Vorstandsmitglied der Heidenheimer Volksbank und dort zuständig für den Firmenkundenbereich, sagte in seiner Begrüßung, dass das Thema Nachhaltigkeit „gefühlt immer ein bisschen weit weg“ sei, tatsächlich betreffe es aber letztendlich alle. Auch Banken bei der Prüfung durch die Bankaufsicht, so Edel. Damit werde es aber auch automatisch zum Thema für alle diejenigen, die ihre unternehmerische Tätigkeit mittels Krediten finanzieren möchten, denn „mit der Nachhaltigkeit ist auch die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens verbunden“. Deswegen müsse man sich mit diesem Thema „aktiv auseinandersetzen“, auch wenn es – „wie immer in Deutschland“ – mit ziemlich viel Bürokratie verbunden sei, so Jürgen Edel.

Diesen letzten Gedanken aufgreifend hatte die erste Referentin, Sandra Schweer, Kaufmännische Leiterin der FSBV GmbH (Freiberg), den Beginn ihres Vortrags unter das Motto „Welcome to the Jungle!“ gestellt. Denn gefühlt könne man jeden Tag etwas Neues zum Thema Nachhaltigkeit hören, es gebe „die nächste Vorschrift und die nächste Verordnung“ und selbst für die, die in dem Thema drin steckten, sei es „relativ schwierig zu sondieren“, so Schweer. Um Orientierung zu bieten, präsentierte Schweer den Teilnehmenden deshalb einige wesentliche Richtlinien rund um „Nachhaltige Unternehmensfinanzierung“.

Schweer erläuterte die Bedeutung von „Non-Financial Reporting Directive“ und das „CSR-Richtlinie-Umsetzungs-Gesetz“. Dieses fordert die Offenlegung von Angaben zu nichtfinanziellen Aspekten, zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Denn zukünftig, so Schweer, würden Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln und der Vergabe von öffentlichen Aufträgen schlechter gestellt werden, wenn sie dazu keine Angaben lieferten. Außerdem erklärte sie die Bedeutung der „EU-Taxonomie“, einem Klassifikationssystem, mit dem beurteilt werden kann, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig deklariert werden können.

Schweer erläuterte, dass Unternehmen bei der Beantragung von Krediten Angaben zu Umweltrisiken, beispielsweise der Überflutungsgefahr und zur Höhe von CO2-Emissionen machen müssen. Auch die Frage, ob nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen angeboten würden, sei von Belang. All diese Kriterien hätten künftig Einfluss auf die Finanzierungskosten eines Kredites oder die Bewertung des Unternehmens für den Fall eines geplanten Verkaufs.

„Saskia Spaderna, eine der Geschäftsführerinnen der N-Motion GmbH in Ulm, erläuterte die Rolle der Banken bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft, diese „seien Mittel zum Zweck“ zur Erreichung dieses Ziels. Der Hebel dafür seien Kredite und der EU-Aktionsplan „Sustainable Finance“. Dabei wies sie darauf hin, dass von dieser Neuorientierung der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit nicht nur große Unternehmen tangiert sind, sondern auch kleinere, die beispielsweise als Zulieferer aufträten.

Eine zentrale Rolle in diesem Prozess spielt dabei die Berichterstattung, denn die Anforderungen der „Corporate Sustainability Reporting Directive“ der EU verpflichteten Unternehmen dazu, auch den Umgang mit sozialen und ökologischen Herausforderungen zu berücksichtigen. Dafür genügten allerdings keine „Prosatexte und Marketingsberichte“, so Spaderna, dafür habe der Gesetzgeber mittlerweile systematische Vorgaben gemacht.

Daniel Heckmann, Senior-Betreuer Fördermittel bei der DZ BANK AG, präsentierte aktuelle Zahlen und Tipps zur Orientierung bei Fördermitteln. Die DZ BANK AG sei mit 24,7 Milliarden Euro im Jahr 2022 der größte Fördermittelbeantrager in ganz Deutschland. „Wir haben da eine gewisse Wucht und auch die Kontakte zur L-Bank“, so Heckmann. Grundsätzlich unterteile sich die Förderlandschaft in Deutschland in die Bereiche zinsgünstige Darlehen, Zuschüsse, Sicherheitenunterstützung und Eigenkapitalstärkung, so Heckmann.

In seinem Referat stellte er spezielle Förderprogramme vor, in die allein im ersten Halbjahr 2023 in Baden-Württemberg zwei Milliarden Euro eingeflossen seien. Dazu gehören die „Bundesförderung für effiziente Gebäude“, die „L-Bank Innovationsfinanzierung 4.0“ und die „L-Bank Gründungs- und Wachstumsfinanzierung“. Zu diesen drei Programmen gab Heckmann Informationen zu Fördermodalitäten, Kombinationsmöglichkeiten, aktuellen Zinssätzen und auch praktische Tipps zur „Interpretation“ von Fördervoraussetzungen.        

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