Als ich an der Universität an meiner Doktorarbeit geschrieben habe, habe ich die Offenheit der Wissenschaft sehr geschätzt. Ich mochte es, zu Konferenzen zu fahren, die eigenen Resultate zu präsentieren und Feedback von Kolleg:innen zu bekommen. Ich mochte es, Einsicht in ihre Arbeit und Vorgehensweisen zu bekommen. Als ich die Universität verlassen habe, dachte ich, ich hätte diese offene Arbeitsweise hinter mir zu lassen, weil ich in den privaten Sektor gewechselt habe. Ich war sicher, ich müsste mien Wissen dort schützen, da es mir und meinem Arbeitgeber eine gute Marktposition sichert.
Ich habe damals nicht erkannt, dass eine gute Marktposition zu haben und sich aktiv mit anderen Profis in der selben Branche auszutauschen sich nicht gegenseitig ausschließen.
WIE ICH IN DER COMMUNITY ANFING
Ich hatte das große Glück, bei meinem ersten Job nach der Universität einen Kollegen zu haben, der mir von einer Usergroup berichtete. Diese Gruppe beschäftigte sich mit demselben Technologie-Stack wie wir. Er sagte mir: „wenn Du da Eindruck machen willst, dann geh hin und halte gleich beim ersten Mal eine Präsentation“. Und weil ich der selbstbewusste Neuling war, der ich nunmal war, tat ich genau das. Ich kontaktierte die Organisatoren und meldete mich freiwillig für einen Vortrag. Diese Usergroup war die PASS, die professional association for SQL Server, oder auch die Microsoft Data Selbsthilfegruppe.
Ich fing an, mich in der Deutschen PASS community zu engagieren und lernte dort eine Menge. Ich fing an, Konferenzen zu besuchen, nationale und internationale Events. Ich lernte viele der Kollegen aus aller Welt kennen, mit denen ich mich austauschen konnte. Diese Leute zu kennen, hat mich enorm weitergebracht. Während der Pandemie hat sich die globale PASS Organisation aufgelöst, der Deutsche Ableger existierte jedoch weiter und ich stieg in das Board of Directors ein (heute nennen wir uns Datamonster e.V.). Dort lernte ich die Sonnen- sowie Schattenseiten von Communities kennen, die von Freiwilligen betrieben werden.
DEN KONTAKT AUFRECHT ERHALTEN
Die Sonnenseiten wurden mir im Frühjahr 2026 bewusst, als wir unsere SQL Konferenz veranstaltet haben. Dieses Event wird vom Datamonster e.V. organisiert und hat zu Recht einen festen Platz in den Kalendern vieler internationaler Sprecher:innen und Teilnehmer:innen. Natürlich ist es ein großes Unterfangen, ein Event mit vielen Teilnehmer:innnen professionell durchzuführen. Deshalb sind wir glücklich, neben der Unterstützung von vielen anderen ehrenamtlichen Community-Mitglieder:innen ein großartiges professionelles Event-Team an unserer Seite zu haben, das die Durchführung organisiert.
Was die Konferenz (und jede andere Konferenz) für mich besonders ist ist, dass es sich immer ein wenig wie ein Klassentreffen anfühlt, dort anzukommen. Man trifft so viele Leute, die man im Laufe der Jahre kennen und schätzen gelernt hat und mit denen man sich gerne austauscht. Sprecher:innen aus aller Herren Länder kommen und teilen ihre einzigartigen Erfahrungen. Jede:r von ihnen ist bereit für den Austausch auf Augenhöhe, von allen kann man lernen und persönlich wie beruflich wachsen.
Auch heute, wo ich bei virtual7 eine weniger technische eher architektonische Rolle angenommen habe, hilft mir der Austausch mit den Mitglieder:innen der Community, zu wachsen. Ich kann von ihnen und ihren Erfahrungen lernen, daran wachsen. Ich treffe Freunde, schaffe berufliche Verbindungen und lade gleichzeitig meine Batterien im Austausch mit vielen alten und neuen Bekannten auf.
WAS KANNST DU DARAUS LERNEN?
Es ist egal, ob Du Deine Karriere gerade startest oder schon ein „alter Hase“ in Deinem Feld bist, die Community kann dir helfen. Dein Wissen wird nicht weniger, wenn Du es teilst, es wächst. Durch das Feedback anderer Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund. Um dieses Wachstum zu erleben und euer Wissen zu erweitern, kann ich Euch nur ermutigen, zu Konferenzen zu fahren. Reicht Vorträge aus, unterhaltet euch mit Veranstaltern und anderen Vortragenden und schafft Verbindungen.
Fahrt auf Veranstaltungen wie dem Data Grillen, Data Saturdays oder der SQL Konferenz, zu Veranstaltungen von Communities wie Datamonster e.V. oder der DOAG. Wo immer es Menschen gibt, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten wie ihr, hilft es euch, Kontakte zu knüpfen und euch zu vernetzen. Findet heraus, welche Events Newcomer-Tracks haben und reicht dafür ein, wenn ihr vorher noch nie vorgetragen habt. Ein Vortrag bei einer Konferenz, das garantiere ich euch, wird euch weiterhelfen. Ihr werdet vom Austausch und dem geteilten Wissen profitieren, lernen, wie ihr und auch Andere Resultate oder Probleme formulieren. Ein Netzwerk zu haben, das euch helfen kann und neue Konzepte und Ideen zu lernen, hilft euch beruflich in unzähligen Situationen.
Und selbst wenn ihr euch heute noch nicht traut, einen Vortrag zu halten, fahrt auf die Konferenz und meldet euch als Freiwillige. Die Arbeit als Session Monitor hilft euch, den direkten Kontakt zu den Sprecher:innen und Organisator:innen aufzubauen. Das Kredo „Connect, share, grow“ ist in der heutigen, breit gefächerten Tech-Welt wichtiger, als je zuvor. Ohne Hilfe von Anderen ist es nahezu unmöglich, die aktuellen Trends im Blick zu behalten und sich eine gute Richtung weiterzuentwickeln.
Und selbst wenn ihr verrückte Ideen habt, seid mutig und setzt sie um. Ich habe jetzt zwei mal eine Tech-Konferenz mit einem Metal-Thema veranstaltet. Es war eine verrückte Menge an Arbeit und ich war danach vollkommen erschöpft. Aber es ist einfach unglaublich erfüllend zu sehen, dass Leute zu meinem kleinen, unbedeutenden Event anreisen, sogar aus den USA. Dass die Vortragenden und Teilnehmer:innen sich auf mein Event freuen, hat mir unglaublich viel Freude, Energie und Selbstbewusstsein gegeben.
Wenn ich auf meine Karriere blicke, sehe ich die Community daher nicht als „nice to have“ sondern als festen Bestandteil meiner beruflichen Entwicklung. Ich sehe es als Teil des Systems. Die Fähigkeit, Ideen auszutauschen, die Bereitschaft, auch Feedback zu geben und nicht nur fertige Hochglanzpräsentationen zu halten und das Vertrauen in meine Fähigkeiten hat mir über die Jahre beigebracht, die Komplexität von Problemen stärker zu reduzieren, als es je ein Tool oder Framework könnte.
Communities schaffen Rückkopplungsschleifen, fördern die Resilienz und ermutigen uns, am Ball zu bleiben und nicht aufzugeben. Nicht nur im Bereich der Technologie sondern in jedem beruflichen Feld. In einem beruflichen Umfeld, dass sich so stark verändert, wie die IT das tut, ist die persönliche Infrastruktur, die ihr in der Community aufbauen könnt die beste und nachhaltigste Investition in euer berufliches Vorankommen. Und wie in meinem Fall fängt diese Investition sehr klein an: indem ihr euch entscheidet, da zu sein, etwas zu teilen und euch mit Anderen auszutauschen.
WARUM IN DIE FERNE SCHWEIFEN?
Viele Arbeitgeber bieten Formate an, um auch intern Wissen zu tauschen und ein Netzwerk aufzubauen. Bei virtual7 haben wir verschiedene Formate für den Wissensaustausch, das geht von kleinen Runden im Cluster über Cluster-übergreifende Add Value Sessions bis hin zur Conference, bei der der gemeinsame Wissensaustausch im Vordergrund steht.
MACH DIE ERSTEN SCHRITTE
Es gibt verschiedene Startpunkte, wenn ihr an einer Community teilnehmen möchtet:
Schaut auf meetup nach, denn die meisten lokalen communities haben dort Gruppen und kündigen ihre Treffen an.
Wenn es Content Creator gibt, der Blogbeiträge, Videos oder Podcasts zu Themen veröffentlicht, die eure Arbeit betrefffen, dann findet heraus bei welchen Konferenzen sie sprechen, das sind vermutlich gute Konferenzen für die Teilnahme.
Findet heraus, ob Konferenzen, die euch interessieren newcomer-tracks anbieten. Viele Konferenzen tun das heute und viele bieten neuen Sprecher:innen darüber hinaus Mentor:innen an, die sie beim ersten Vortrag begleiten. Oder sucht dedizierte Newcomer-Events wie new stars of data. Und wenn ihr nicht sprechen möchtet, meldet euch als freiwillige:r Helfer:in auf einem Event, dadurch lernt ihr viele andere Freiwillige und Sprecher:innen kennen und knüpft weitere Kontakte in der Community.
Wenn ihr an einer Konferenz oder Usergroup teilnehmt, sprecht mit den anderen Teilnehmer:innen und den Sprecher:innen.
Legt euch ein sessionize Profil an. Viele Konferenzen verwenden sessionize, um ihre Call for Speakers zu verwealten und wenn ihr ein Profil mit vorbereiteten Vorträgen habt, ist es sehr einfach, euch bei Konferenzen als Sprecher:in zu bewerben.
Findet eine:n Mentor:in in eurer Community. Viele altgediente Sprecher:innen haben Freude daran, mit neuen Sprechern:innen gemeinsam zu präsentieren oder unterstützen euch auf anderen Wegen, wenn ihr Ideen habt, die ihr teilen möchtet.
Autor Dr. Benjamin Kettner
virtual7 GmbH
Amalienbadstr. 41d
76227 Karlsruhe
Telefon: +49 (721) 619017-0
Telefax: +49 (721) 619017-29
http://www.virtual7.de
Content Creator
E-Mail: moritz.wagner@virtual7.de
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