Viele Unternehmen arbeiten mit etablierten Prozessen in SAP® EWM oder SAP® WM. Die Lagerbuchungen erfolgen zuverlässig per Scanner – allerdings sind diese Prozesse häufig mit unnötigen manuellen Schritten verbunden.

Dieser Beitrag zeigt, wie ein halbautomatisierter Buchungsprozess die bereits vorhandenen Informationen über den Standort des Staplers automatisch nutzt, um den Lagerplatz für die SAP-Buchung bereitzustellen.

Ein klassisches Beispiel ist die Einlagerung oder Umlagerung eines Ladungsträgers. Der Staplerfahrende muss in der Regel sowohl den Lagerplatz als auch die Handling Unit (HU) oder das Material scannen. Erst dann kann SAP die Lagerbewegung buchen. Gerade der Lagerplatzscan kostet Zeit und birgt Fehlerpotenzial. Lagerplatzetiketten können verschmutzt, beschädigt oder schwer zugänglich sein. Zudem liefert der Scan keine zusätzlichen Informationen, da sich der Stapler bereits am entsprechenden Lagerbereich befindet.

Lagerplatzscan bei Einlagerung und Umlagerung: Wo entsteht Aufwand?

In vielen Lagerprozessen scannt die fahrende Person üblicherweise die HU oder das Material sowie den vorgesehenen Lagerplatz. So erhält das System die Informationen für die Lagerbewegung.

Der Lagerplatzscan kann im Alltag umständlich sein: Etiketten sind verschmutzt, beschädigt oder aus der Fahrzeugposition schwer erreichbar. Der Ansatz des halbautomatischen Buchungsprozesses eliminiert diesen Scan und nutzt die Ortsinformation des Gabelstaplers.

Staplerortung und SAP-Lagerplatzzuordnung: So funktioniert der Ansatz

Die Umsetzung erfolgt mit minimalem Eingriff in die bestehende Infrastruktur. Eine kompakte Einheit am Stapler liefert die notwendige Positionsinformation und benötigt lediglich eine Stromversorgung am Fahrzeug. Eine zusätzliche Infrastruktur im Lager ist nicht erforderlich.

In einer Anwendung, zum Beispiel der InWerX App, wird die Ortsinformation des Gabelstaplers dem gescannten Material, Auftrag etc. zugeordnet und automatisiert auf den Lagerplatz im SAP gebucht.

Damit erhält SAP alle notwendigen Informationen für eine automatisierte Buchungsunterstützung:

  • Der Materialscan liefert die eindeutige Identifikation.
  • Die automatische Positionsermittlung liefert die räumliche Zuordnung.

Der Materialscan bleibt dabei bewusst Bestandteil des Prozesses. Er stellt sicher, dass die Information zu Handling Unit oder Materialbewegung eindeutig in SAP gebucht wird. Automatisiert wird genau der Prozessschritt, der keinen zusätzlichen Informationsgewinn liefert: die manuelle Erfassung des Lagerplatzes.

Eine häufige Frage: Wie kann SAP einen Lagerplatz buchen, wenn zunächst nur die Position des Staplers bekannt ist?

Grundsätzlich verwaltet SAP Bestände nicht über reine Koordinaten, sondern über definierte Lagerplätze, beziehungsweise Lagerstrukturen. Deshalb muss die erfasste Position einer SAP-Struktur zugeordnet werden.

Je nach Lagerorganisation gibt es dafür unterschiedliche Möglichkeiten.

  • Die Position wird einem bestehenden SAP-Lagerplatz zugeordnet
  • Freiflächen werden als virtuelle Lagerbereiche verwaltet
  • Unterstützung durch dynamische Lagerstrategien in SAP EWM

Bestehende SAP-Prozesse bleiben erhalten

Ein wesentlicher Vorteil der halbautomatisierten Lagerbuchung ist, dass keine grundlegenden Änderungen an den bestehenden SAP-Prozessen erforderlich sind. SAP erhält weiterhin die Informationen, die für eine Lagerbuchung erforderlich sind: Handling Unit oder Material, Lagerplatz beziehungsweise zugeordnete Lagerstruktur und Zeitstempel.

Damit lassen sich bestehende Prozesse in SAP EWM oder bestehenden SAP WM-Installationen schrittweise optimieren, ohne die bewährte Materialidentifikation zu verändern. Der halbautomatisierte Buchungsprozess ergänzt SAP gezielt um eine Information, die bisher häufig manuell erfasst werden musste.

Materialflüsse und Fahrwege optimieren

Auch für den Materialfluss können Bewegungsdaten hilfreich sein. Häufig genutzte Fahrwege, stark frequentierte Lagerbereiche und wiederkehrende Spitzen werden leichter erkennbar. Das kann Hinweise darauf geben, wo sich eine genauere Untersuchung von Lagerlayout oder Verkehrsführung lohnt.

Zusätzlich erzeugt nicht jede Stapler-Bewegung einen direkten Mehrwert. Durch die Analyse der Bewegungsdaten kann zwischen Materialtransporten, Leerfahrten, Suchfahrten und Wartezeiten unterschieden werden.

So wird unter anderem auch sichtbar, wo unnötige Bewegungen entstehen und welche Prozesse möglicherweise vermeidbare Wartezeichen verursachen. Diese Transparenz ermöglicht eine gezielte Optimierung der innerbetrieblichen Logistik.

Staplerflotte analysieren: Was Bewegungsdaten zusätzlich zeigen können

Die kontinuierliche Erfassung der Stapler-Bewegungen schafft gleichzeitig eine wertvolle Datenbasis, die weit über den eigentlichen Buchungsprozess hinausgeht. Neben der Optimierung einzelner Lagerbewegungen entsteht ein objektiver Blick auf die tatsächliche Nutzung der Stapler Flotte.

Viele Unternehmen dimensionieren ihre Stapler Flotte auf Basis von Erfahrungswerten oder historischen Spitzenauslastungen. Die tatsächliche Nutzung lässt sich jedoch häufig nur schwer nachvollziehen. Durch die Auswertung der Bewegungsdaten können zusätzlich wichtige Kennzahlen ermittelt werden. Die Auslastung einzelner Stapler mit ihren Betriebszeiten, aktiven Fahrzeiten und Stillstandzeiten lassen sich genauso nachvollziehen wie Wartezeiten und Einsatzhäufigkeit.

Damit kann objektiv bewertet werden, ob die Anzahl der vorhandenen Stapler noch ausreichend ist, es Fahrzeuge mit geringer Auslastung gibt und wie das Nutzungsverhalten in verschiedenen Schichten aussieht. Damit lassen sich Entscheidungen zur Flottenplanung besser vorbereiten.

Fazit: Der pragmatische Weg zur intelligenten Lagerlogistik

Nicht jeder Digitalisierungsschritt muss mit einer vollständigen Automatisierung beginnen. Bereits der Wegfall des manuellen Lagerplatzscans reduziert Prozessaufwand, beschleunigt Lagerbewegungen und minimiert Fehlerquellen.

Gleichzeitig entsteht ein zusätzlicher Nutzen durch weniger Suchzeiten und die Möglichkeit Lagerflächen flexibler nutzen zu können.

Das Ergebnis ist eine wirtschaftliche Halbautomatisierung: So wird aus einer einfachen Prozessoptimierung ein ganzheitlicher Mehrwert für die tägliche Lagerarbeit und die strategische Weiterentwicklung der Intralogistik.

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