Die Corona-Pandemie hat Sachsen-Anhalt weiter im Griff. Das Bruttoinlandsprodukt geht rasant zurück. Die Arbeitslosenzahlen steigen. Diese Entwicklung hält seit mehreren Monaten an. Auf der Grundlage von 3 IHK-Blitzumfragen, die wir im März und April in Auftrag gegeben hatten, beurteilte die Hälfte aller Unternehmen ihre aktuelle Lage als schlecht. Bei 65 Prozent gingen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück.

Unsere aktuelle Konjunkturumfrage für das 2. Quartal hat diese Lage- und Erwartungswerte nunmehr bestätigt. Die Konjunktur im nördlichen Sachsen-Anhalt hat sich auch im 2. Quartal stark eingetrübt.  Der Gesamtklimaindex liegt bei 75,6 von maximal 200 möglichen Punkten und damit auf dem gleichen Niveau wie Anfang 2009 während der Weltfinanzkrise. Nur ein Viertel der befragten Unternehmen bewertet ihre aktuelle Geschäftslage bereits wieder mit gut.

Sehr skeptisch sind die Unternehmen, was die künftige Geschäftsentwicklung angeht. Knapp die Hälfte rechnet mit einem ungünstigeren Verlauf. Diese Unsicherheiten spiegeln sich auch in den Exportwartungen wider. Gut ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer weiteren Verschlechterung des Auslandsgeschäfts.


Ob und wie genau diese Prognosen eintreten, hängt natürlich davon ab, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. Wie geht es mit der Weltwirtschaft weiter? Bleiben die sich gerade wieder stabilisierten Zulieferketten intakt? Auf diese Fragen gibt es derzeit keine verlässlichen Antworten. Wir fahren nur auf Sicht.

Wie läuft die Konjunktur in den einzelnen Branchen zwischen Altmark und Harz?

Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe ist entsprechend der Gesamtlage schlecht. Alle Teilbranchen berichten über deutliche Einbußen sowohl im Inlands- als auch im Auslandsgeschäft. Bei jedem zweiten Unternehmen gehen die Aufträge zurück. Der Blick in die Zukunft fällt nicht optimistischer aus. 42 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage. Mehr als ein Drittel geht von rückläufigen Exporten aus.

Die Bauwirtschaft im Norden Sachsen-Anhalts blickt auf ein auskömmliches 2. Quartal zurück. Vier von zehn Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage. Dennoch scheint auch diese Branche nicht frei von coronabedingten Einwirkungen. Die Anzahl der Auftragseingänge ist laut 50 Prozent der Befragten spürbar rückläufig. Bei den Auftragsreichweiten ist die Entwicklung dennoch positiv. Waren zum Jahresende 2019 noch vier von zehn Unternehmen für mehr als 4 Monate ausgelastet, sind es zum Ende des 2. Quartals die Hälfte der Unternehmen.

Von einer Fortsetzung der aktuell guten Baukonjunktur geht die Branche aber nicht aus. 63 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung. Sorgen macht insbesondere die rückläufige Nachfrage. Sie vergrößert die Unsicherheit, ob der Corona-Schock nicht doch im zweiten Halbjahr eintreten wird.

Im Handel sind die Stimmungswerte zur Jahresmitte relativ ausgeglichen. Das hängt mit der sehr unterschiedlichen Verfassung des Groß- und des Einzelhandels zusammen. Der Einzelhandel bewertet die Lage im vergangenen Quartal insgesamt mehrheitlich positiv. Das ist jedoch hauptsächlich auf die sehr auskömmliche Lage spezieller Facheinzelhändler zurückzuführen. Diese können die teils massiven Probleme anderer Einzelhändler kompensieren – allerdings nur im konjunkturellen Gesamtbild. Die Lage im Großhandel ist komplett anders. Dieser meldet mehr Umsatzrückgänge als -zuwächse. Was die künftige Entwicklung betrifft, regiert unisono Skepsis.

Die konjunkturelle Stimmung im Gastgewerbe ist trotz aller im Verlauf des 2. Quartal erfolgten Lockerungen im Keller. Sieben von zehn befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit schlecht. So schlecht wie seit 20 Jahren nicht mehr. Bei fast allen Unternehmen – exakt sind es 95 Prozent – gingen die Umsätze zurück.

Was die zweite Jahreshälfte betrifft, rechnen 50 Prozent der Unternehmen mit einem schlechteren Geschäft.

Auch im Verkehrsgewerbe ist die konjunkturelle Lage angespannt. Vier von zehn Unternehmen blicken auf ein unbefriedigendes Quartal zurück. Über 60 Prozent geben sinkende Umsätze bzw. ein geringeres Beförderungsvolumen an. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass die Geschäfte im zweiten Halbjahr schlechter laufen werden.

Die Dienstleistungsbranche beendet das 2. Quartal leicht im Plus. Schaut man aber genauer hin, wird deutlich, dass sowohl die unternehmens- als auch personenbezogenen Dienstleister auf entbehrungsreiche Monate zurückblicken. Beide Teilbranchen berichten über deutliche Umsatzeinbußen und drastisch gesunkene Auftragseingänge. An eine Belebung in den kommenden Monaten scheint auch diese Branche nicht zu glauben.

Wie kann die Wirtschaft in diesen unruhigen Zeiten unterstützt und gestärkt werden?

Nur langsam schreitet die Erholung voran. Insbesondere Unternehmen aus dem Veranstaltungs-bereich, der Reisewirtschaft, aber auch kleinere Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe können noch immer nicht betriebswirtschaftlich kostendeckend arbeiten. Wann dies wieder der Fall sein wird? Niemand weiß es. Es gibt viele Annahmen und Szenarien, aber letztlich sind alle ungewiss.Vor allem beschäftigt uns, ob es in den Herbstmonaten zu einer zweiten Infektionswelle und einem möglichen zweiten Lockdown kommen könnte.

Während des Lockdowns mit Beginn im März wurde seitens der Regierungen in Land und Bund wirtschaftspolitisch bisher vieles gut gemacht. Durch die Soforthilfe, die Erweiterung des Kurzarbeitergeldes, die Erleichterung beim Zugang zu Förderprogrammen und Zuschüssen zur Liquiditätsverbesserung konnten Unternehmen relativ zeitnah Unterstützung erhalten. Auch die nachfolgenden Maßnahmen, wie Überbrückungshilfen, das im Juni verabschiedete Steuerhilfegesetz oder die Maßnahmen des Bundeskonjunkturprogramms zielen darauf ab, für die Wirtschaft in Deutschland die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, diese

Krise zu überstehen und die Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Begrüßenswert ist auch, dass die Europäische Kommission eine Anpassung der Beihilfevorschriften vorgenommen hat, so dass Unternehmen, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, weiter von Entlastungsregelungen im Energiebereich wie der EEG-Umlagebegrenzung profitieren können. Dies entspricht Entlastungen von rund 5 Milliarden Euro jährlich.

Dennoch ist aus Sicht der IHK Magdeburg in Aufarbeitung der Krise noch immer Verbesserungspotenzial vorhanden. Um die hiesige Wirtschaft in Zeiten von Corona weiter zu stützen und die offengelegten Schwachstellen anzugehen, bedarf es weiterer Maßnahmen. So kann die Ausgangssituation für das Land Sachsen-Anhalt, falls es eine weitere Welle geben sollte, deutlich verbessert und die Unternehmen als auch die öffentliche Verwaltung widerstandsfähiger und flexibler aufgestellt werden.

Stichwort Überbrückungshilfe. Hier besteht die Notwendigkeit, dass diese für einzelne betroffene Branchen überarbeitet wird. Gerade für Branchen mit geringen Fixkosten ist die jetzige Form der Überbrückungshilfe nicht zweckmäßig. Das hat die Praxis gezeigt.

Während des Lockdowns wurde auch mehr als deutlich, dass Digitalisierung nicht mehr nur ein hehres Ziel oder abstraktes Konstrukt ist, sondern eine Schlüsselkompetenz, um auch in solch unvorhergesehenen und global auftretenden Krisensituationen bestmöglich arbeitsfähig zu bleiben. Und dies gilt nicht nur für Unternehmen, sondern selbstverständlich auch für die öffentliche Verwaltung.

In Krisenzeiten müssen öffentliche Verwaltungsvorgänge digital nutzbar und jederzeit verfügbar sein, beispielsweise die Zulassung von Kraftfahrzeugen oder die Ausschreibung und Genehmigung von Bauvorhaben. Daher ist es aus unserer Sicht unerlässlich, schnellstmöglich die Verwaltung auf allen Prozessebenen umfassend zu digitalisieren. Damit einhergehend ist es zwingend geboten, qualifiziertes Personal aufzustocken und den Mitarbeiterbestand insgesamt konsequent weiterzubilden.

Damit eng verknüpft ist auch der Abbau von Bürokratie. Dafür setzt sich die IHK Magdeburg seit Jahren ein. Aus unserer Sicht ist es besonders in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten erforderlich, die Bürokratielast zu senken und die bestehenden Forderungen der deutschen Wirtschaft umzusetzen. Medienbruchfreie

Antragsverfahren und durchgängig digitale Verwaltungsvorgänge können dazu einen Beitrag leisten.

Die gleichen Forderungen lassen sich auch auf die aktuelle Situation an den allgemein- oder berufsbildenden Schulen übertragen. Sachsen-Anhalt muss schnellstmöglich einen konkreten Umsetzungsplan für die flächendeckende und schulformübergreifende Digitalisierung der Schulen erstellen. Eine „schulscharfe Liste“ könnte für alle Beteiligten mehr Transparenz zum Planungs- und Umsetzungsstand herstellen.

Die IHK Magdeburg vertritt rund 1800 Ausbildungsunternehmen, die sich engagiert für eine fundierte Allgemeinbildung als Voraussetzung für eine gute Berufsausbildung einsetzen. Es kann daher nicht sein, dass Schulbildung in Krisenzeiten davon abhängt, wie gut die jeweilige Schule ausgestattet ist, sowohl in technischer Hinsicht als auch im Vorhandensein qualifizierten Personals. Hier müssen einheitliche Standards erreicht werden.

Einheitliche Standards sind auch das richtige Stichwort, wenn es um die Eindämmungsverordnungen der einzelnen Bundesländer geht. Um der Wirtschaft mehr Sicherheit zu geben, sollte aus unserer Sicht ein Ziel sein, eine bundeseinheitliche Vorgehensweise bei neuen Coronaausbrüchen zu entwickeln.

Zum Export. So wie der Virus die gesamte Welt erfasst hat, so sind wir auch alle wirtschaftlich miteinander verflochten. Unter keinen Umständen darf die Pandemie dazu führen, dass der weltweite Protektionismus zum Standard wird. Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt sind auf einen freien Personen- und Warenverkehr und einen starken EU-Binnenmarkt angewiesen.

Die IHK Magdeburg wird daher konsequent dafür eintreten, dass die Bundesregierung und die EU verstärkt Freihandels-abkommen vorantreiben und darüber hinaus anstelle eines deutschen ein EU-Lieferkettengesetz beschlossen wird, damit unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb keine Benachteiligung erfahren.

Über Industrie- und Handelskammer Magdeburg

Die IHK Magdeburg ist eine von 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Neben der Hauptgeschäftsstelle der IHK Magdeburg in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg bestehen IHK-Geschäftsstellen in Salzwedel und Wernigerode.

Firmenkontakt und Herausgeber der Meldung:

Industrie- und Handelskammer Magdeburg
Alter Markt 8
39104 Magdeburg
Telefon: +49 (391) 5693-0
Telefax: +49 (391) 5693-193
http://www.magdeburg.ihk.de

Ansprechpartner:
Torsten Scheer
Pressesprecher
Telefon: +49 (391) 5693-170
Fax: +49 (391) 5693333-170
E-Mail: scheer@magdeburg.ihk.de
Für die oben stehende Pressemitteilung ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmenkontakt oben) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton-, Video-, Medien- und Informationsmaterialien. Die United News Network GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die United News Network GmbH gestattet.

counterpixel